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Main >> Nicht-Fiktional >> Essay >> Die Killerspieldebatte und das Wesen von Medien und Politik

Die Killerspieldebatte und das Wesen von Medien und Politik
Autor: Jonas Klein  
 
Leserbewertungen:  / 8
Schwach  Perfekt! 

Kapitel Nr. : 1
Geändert am: 31 März 2007 - Wortzahl: 542 - Aufrufe: 2147
 
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Text

Nach dem Amoklauf von Emsdetten war es ein Leichtes die aufkommende „Killerspieldebatte“ vorher zu sagen. Es ist ein Thema zu dem viele Menschen eine Meinung haben. Zum einen sind da die Spieler – zumeist Jugendliche – die sich vehement gegen die Anschuldigungen von Politik und Medien zur Wehr setzen. Dann währen da noch die Pädagogen, Lehrer und besorgte Eltern, die den „Krieg im Kinderzimmer“ fürchten. Genährt wird diese Angst insbesondere durch die massenhaften Berichte aus den Medien. Keine Zeitung, die nicht die Ursachen der Amokläufe von Erfurt und Emsdetten betrachtete. Die Killerspiele standen dabei ganz oben auf der Liste der möglichen Gründe für die Bluttaten. Die meisten dieser Berichte mehr oder weniger seriöser Zeitungen und Fernsehmagazine ist für viele Spieler der sprichwörtlicher Schlag ins Gesicht.
Die Spielmagazine gehören wohl zu den wenigen Medien, die sich aktiv gegen die Stigmatisierung der vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen einsetzen. Die Debatte ist emotional und auf beiden Seiten wird Stimmung gemacht.
Dabei entbehren sowohl die Argumente der Gegner, als auch die Anschuldigungen der Befürworter eines Verbots jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Es mangelt schlichtweg an fundierten Langzeitstudien, die die Kausalität von Videospiel und Gewalttaten wieder- bzw. belegen.
Erschreckend ist aber vielmehr die Art und Weise und die Konsistenz der Berichterstattung durch die „vierte Gewalt“: Selbst dem Gelegenheits-“Killerspieler“ fällt auf, das Grundlage der Berichte mangelnde Fakten, schlechte Recherche und maßlose Übertreibungen bilden.
Prompt reagierte auch die Politik. Besonders Bayern und Niedersachsen fordern ein Verbote der gewaltverherrlichenden Spiele. Dabei gewinnt der informierte Bürger schnell den Eindruck, als bedienten sich die Politiker großzügig der Recherchen der Medien, um ihre Meinungen auszubilden. Lächerlich erscheint auch ein Verbot gewisser Spiele als Prävention von Gewalttaten durch Jugendlichen, wenn man die oft genannte Zahl der Schüler pro Schulpsychologen bedenkt: es sind etwa 12 500.
Doch dieser Text ist kein Versuch die Debatte aufzulösen oder voranzutreiben. Er möchte lediglich auf die Begleiterscheinungen der, insbesondere in den Medien geführten, Debatte aufmerksam machen. Erschreckend, wenn sich eine mögliche Analogie oder Verallgemeinerung als gültig erweisen sollte. Behandeln die Medien eigentlich jedes Thema mit dieser Sorgfalt? Sind alle Berichte so gut und fundiert recherchiert? Es ist schwierig diese Fragen vor dem Hintergrund der Killerspieldebatte positiv zu beantworten. Auch bezüglich der Politik lassen sich diese Fragen stellen: Was, wenn unsere Politiker über jedes Thema so gut informiert sind? Bei Themen, mit denen sich die Mehrheit der Bürger nicht auskennt, fiele es ihnen gar nicht auf, wenn Medien und Politiker mit falschen Fakten operieren.
Eine mögliche Erklärung zu Gunsten der Zeitungen, Magazine und Fernsehsendungen ist der Wettbewerb und die Konkurrenz untereinander. Die Medien müssen schnell reagieren und viel Brisantes, Spektakuläres und Skandalöses berichten. Es fällt schwer Qualität, Quantität und Interessantes zu vereinen und so wird auch schon mal die Maus zum Elefanten. Doch entschuldigt dieses Argument wirklich die fehlende Zuverlässigkeit? Ein Fangfrage, wenn man bedenkt, dass eine Bejahung die Existenz und Intention vieler Medien ad absurdum führen würde.
Für die Politik dagegen hält dieser Text keine Entschuldigung bereit. Kann er doch nicht den Eindruck von der Hand weisen, dass es bei den Statements unserer Volksvertreter um polemische Profilierung und den kollektiven Wunsch, einfache Lösungen für komplexe Probleme hervorzubringen, geht.
Motivation zu diesem Text war übrigens nicht die Gesinnung des Autors. Es ist vielmehr die Erstaunung über das Wesen der Medien und Politiker.


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