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Pas de deux der Einsamkeit
Autor: Andrea Miesenböck  
 
Leserbewertungen:  / 26
Schwach  Perfekt! 

Kapitel Nr. : 1
Geändert am: 08 Juni 2006 - Wortzahl: 633 - Aufrufe: 2781
 
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Text

Pas de Deux der Einsamkeit


Es ist noch dunkel. Schnee treibt gefirnt über die Dächer, der Morgen zur Stunde ist leise und schlafend, die Stadt liegt geschliffen im elektrischen Licht der Laternen und scheint mit sich, bei frühmorgendlichem Treiben abgewendet den Grund zu durchdringen. Zwielicht. Ich stehe am Fenster. Woran merkst du, dass du alt wirst? – An der Zeit. Am Rauschen im Ohr. Das Nichts kehrt sich nach außen, verebbt ungeachtet in der Spur einer Zeit und kommt dir von hinten. Du beginnst Heidegger zu verstehen. Manchmal. Und, du kehrst dich ein. Noch im Dämmermoment einer Zeit, während du dir innig lauscht, während du dir zögernd hinhörst, schaudert es dich, fröstelt es dich deutlicher denn je und. – Woran merkst du, dass du alt wirst?

Daran:

Sie geht gebückter, redet kaum, nur das Nötigste, einsilbig. Steigt immer öfter die schmale Holztreppe zur Dachkammer hinauf, bleibt dort für Stunden verschwunden und, wenn sie die Stiegen, die Holzstiegen, die teppichbespannten Stiegen wieder herunter kommt, - leichtfüßig, die Eiche knarrt leise und gedrungen unter den Schritten - trägt sie ein seltsames Lächeln im Gesicht. Schwer zu beschreiben. Du kannst nicht. Ich meine, wer kann schon. Ich würde es Melancholie nennen, letzten Endes nicht nur und ‚nicht nur’, ist der Anfang alles Weiteren. Es ist dieser Hauch Ahnung der ihr mitkommt, sich aufträgt, die Augen ermüdet, die Wangen von Tag zu Tag zuspitzt und hervortreten lässt aus dieser kleinen Unwissenheit. Dieser, jene verborgene Schrecken, als hätte. Dieses leise, nach innen, nach außen gewandte Entsetzen. Was macht man stundenlang auf Dachböden? Bei fünfzehn unter Null. Bei fünfzehn Grad unter Null, unter frostdurchwachsenem Wellblech, dass einem die Finger, zehn Zehen taub werden, bereits nach einer viertel Stunde, nach zehn Minuten, was macht man? – Ich sag’s Dir:


(en dehors)

Da sind noch die Spuren, Stimmen einer frühen Jugend, die dich einholen, dir anklopfen, versuchen dich endlich zu einen unter einem Dach, unter einem Himmel, unter einem Scheitel unter einem schnaufenden Hertzklappengeräusch. Friede, finde Frieden und lös’ dich dem wuchernden Irrtum. Sie blickt auf die Füße, auf ihre Füße(!) - Heute stecken sie in gefilzter Schafwolle, Luftmaschenwirklichkeit, cremefarben ist nicht weiß und am Ende der Nacht steht das Nichts. Heute ist Winter. Der Boden ist dunkel, die Dachluke mit Schnee bedeckt und mit dem Finger streift sie verhalten über ein Paar zertanzte, mit Staub bedeckte Schuhe. Ballo. Da warst du blind, vorbeigeschaut an der deutlichen Botschaft. Seiend verklärt. Und Jetzt? – Gehen dir die Augen über und du musst dich.


…aber: der Spann! – herrgott:

dabei spannt sie sich bis zur Unkenntlichkeit auf zwischen Rollen, zwischen Menschen, Figuren, Sein, Nichtsein, Sonne, Mond, Sterne, Frühling, Sommer, Herbst, ich du er sie es, zwischen Welt, Meer und Geistlosigkeit einer Welt. Ein Seestern im Mund, spuck’ ihn aus und fall’ den hundert Idioten ins Wort. Aber du schweigst, schwiegst immer und räusperst dich verlegen und höflich. Spanndichein, gespannt bis zur Perfektion, bis zur Besinnungslosigkeit. Mademoiselle Piccót, da rühr sich alte Strieme, rührt sich mürbe Wundnaht am Rücken, die Schlagspur im Herz und hält zur Mahnwache an. Das Bühnenbild, Seinsperipherie würde ich sagen, würde ich reden, aber ich rede nicht (mehr). Man, irgendwer würde es immer anders machen, hinterher. Volkskrankheit, unheilbar.


Coppélia ou La Fille aux yeux d'émail. - Alles gesagt, man wird sich arrangieren. Müssen. Mit den seinigen, vielen Uneinigen, Seienden, den Nächsten, den Immernden, den Wissenden, den Zeitgebundenen, Zeitlosen, nicht zuletzt mit den Idioten wird man sich übereinkommen - Butterblümchenmaskerade - die Bühne besetzt! und spielen.

Es ist noch dunkel. Schnee treibt gefirnt über die Dächer der Stadt. Wir: treten vom Fenster zurück, lautlos – woran merkst du, dass du alt bist? Am Rauschen. Noch einmal stimmt das Klavier seine Zeit, rührt zögerlich und sanft eine Saite, Adagio, hebt die Note, dreiviertel, den Morgen aus den verschlafenen Schornsteinen und zieht: Götterdämmerung - alle Helden sind tot: ich bin meiner Mythen beraubt.


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bass1992 03-01-09 02:50

Hallo
bass1992 03-01-09 02:40

...
pavot 01-01-09 21:01

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Loos89 01-01-09 18:41

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Loos89 01-01-09 18:37

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Stefanm 28-12-08 00:16

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identitaet 26-12-08 19:17

Anfang meines bisher titellosen Buches
Cookiemonster 17-12-08 16:01

Guten Hallo undso^^
Cookiemonster 17-12-08 00:45

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